Baum- & Wurzelschutz


Bäume in dicht besiedelten Gebieten haben es grundsätzlich schwer. Im Zusammenhang mit einer Baustelle kann das häufig das Ende des Baumes bedeuten. Mit der richtigen Einstellung aller Beteiligten sowie einigen vorbereitenden, begleitenden oder nachgelagerten Baum- und Wurzelschutzmaßnahmen können viele Bäume erhalten und unversehrt bleiben. In Richtlinien wie der DIN 18920 und der  RAS-LP 4 sind die angesprochenen Schutzmaßnahmen verankert.

 

Warum sind unsere Bäume erhaltungswürdig?

Ein großkroniger Laubbaum …

  • … filtert stündlich ca 4.000 m³ Luft
  • … nimmt täglich 10 kg Kohlendioxid auf
  • … reinigt jährlich die Luft von über 100 kg Staub
  • … liefert den von 10 Menschen benötigten Sauerstoff
  • … verbessert das Klima durch Wasserverdunstung
  • … bindet Schadstoffe
  • … vermindert Lärm und bremst den Wind

 

Welche Gefahren für Bäume können im Zusammenhang mit Bauarbeiten auftreten?

  • Abreißen von Ästen infolge des Einsatz eines Kranes oder durch hohe Baustellenfahrzeuge (LKW, Bagger, etc.)

Folge: Grundsätzlich ist jede Beschädigung des Kronenbereiches als eine Verletzung des Baumes anzusehen. Je größer bzw. je stärker die abgerissenen oder beschädigten Äste sind, desto größer ist die Gefahr, da der Baum die entstandenen Wunden nicht eigenständig heilen kann. Werden diese Wunden zu Faulstellen, kann sich dies unmittelbar auf die Vitalität und die Verkehrssicherheit des Baumes auswirken.

 

  • Anfahrschäden / Anprallschäden durch Rangierarbeiten, Unfälle, etc.

Folge: Neben der Wunde als Keimherd für Schädlinge kann auch die Nährstoffversorgung mehr oder weniger stark beeinträchtigt sein. (Orientierung: Innerhalb von 24 Stunden sollte eine Behandlung derartiger Schäden erfolgen, um langfristige Beeinträchtigungen der Vitalität des Baumes zu vermeiden.)

 

  • Bodenverdichtungen durch Befahren mit Baufahrzeugen sowie durch Lagerung von schweren Materialien

Folge: Viele Baumarten reagieren  auch schon auf leichte Verdichtungen sehr empfindlich. Durch den Druck werden die im Oberboden vorhanden Luftporen geschlossen, die Folge sind Sauerstoffarmut und Fäulnis im Wurzelbereich. Auch ein Baum kann ersticken!

 

  • Bodenversiegelungen beim Straßen- und Gehwegbau oder infolge von Tiefbauarbeiten

Folge: Neben der Gefahr des Sauerstoffmangels (siehe Bodenverdichtung) können auch bauliche Gegebenheiten das Wurzelwachstum behindern und somit zu einer Einschränkung der gesamten Baumentwicklung führen.

 

  • Bodenverunreingung durch Öl, Chemikalien, Zementwasser, o.ä.

Folge: Für den Baum ist dies infolge seiner Nährstoffaufnahme aus dem Boden nichts anderes als eine Vergiftung. Je nach Menge und Dauer der Zuführung der Gifte mindert sich die Vitalität bis hin zum vollständigen Absterben.

 

  • Abgrabungen im Wurzelbereich durch Bagger oder fachlich nicht geschultes Personal

Folge: Die Wurzeln sind wesentlich für die stabile Verankerung des Baumes verantwortlich. Fehlen eine oder mehrere statisch relevante Wurzeln, hätte dies massive Auswirkungen auf die Standsicherheit des Baumes. Die Wurzeln nehmen aber auch Nährstoffe auf und sind für die Wasserversorgung des Baumes verantwortlich. Ein Baum ohne ausreichend viele Wurzeln kann nicht wachsen. Seine Widerstandsfähigkeit ist gemindert und er ist anfälliger für Schädlinge. Bei Befall mit holzzersetzenden Pilzen kann auch hier die Standsicherheit beeinträchtigt werden.

 

  • Grundwasserabsenkung bei Baugruben in der Nähe von Bäumen

Folge: Der Baum leidet unter Wassermangel, was wiederum zu einer Unterversorgung und damit zu einem Vitalitätsverlust führt. Im schlimmsten Fall stirbt der Baum durch Austrocknen.

 

Welche Maßnahmen im Zusammenhang mit Bauarbeiten eignen sich zur Vermeidung oder Minimierung von Gefahren für Bäume?

  • KnowHow aneignen und Kompetenzen aller Beteiligten nutzen

Nur wer genau Bescheid weiß über das WAS? WO? WANN? und WIE?, hat eine realistische Chance, sein Bauvorhaben möglichst reibungslos voranzubringen.

Sind Baumaßnahmen geplant, sollte geprüft werden, ob bzw. in welchem Umfang Bäume davon betroffen sind. Die Bäume sind auf ihre Erhaltungswürdigkeit zu überprüfen. Ist es also wert, den Baum zu erhalten und ggf. zu schützen oder hat er aufgrund seines Alters oder wegen Vorschädigungen nur noch eine geringe Lebenserwartung. Soll der Baum erhalten bleiben, sollte untersucht werden, ob ein Erhalt im Zuge der Baumaßnahme möglich ist.

Streitigkeiten mit Behörden und Verbänden, aber auch doppelt oder mehrfach erbrachte Leistungen, sind nervenaufreibend und kostspielig. Fragen Sie deshalb frühzeitig die Fachleute und nutzen Sie die Stärken der Kooperation von Architekten, Baumpflege-Fachbetrieben und Landschaftsarchitekten. Nur so erhalten Sie die für Sie und für die Bäume so elementaren Informationen.

 

  • Baumschutzzaun

Ein Baumschutzzaun ist ein fest verankerter, mindestens 2 m hoher Zaun. Er umfasst eine abgezäunte Fläche für einen schützenswerten Bereich. Diese Fläche sollte so groß als möglich gehalten werden (Richtwert: 1,5 m über die vorhandene Kronenbreite des Baumes). Der Schutzzaun ist unbedingt während der gesamten Bauphase zu erhalten.

 

  • Stammschutz

Als Stammschutz wird eine lückenlose Verschalung des Baumstammes mithilfe von Holzbrettern bezeichnet. Zwischen den Brettern und dem Stamm werden Polsterelemente, wie z. B. alte Autoreifen, zum Abpuffern angebracht.

Der Stammschutz beugt direkten mechanischen Verletzungen (Anfahr- und Anprallschäden) durch Baustellenfahrzeuge und Materialien vor.

Ein Stammschutz wird häufig bei beengten Verhältnissen (z. B. bei kleinen Grundstücken oder schwieriger Erschließung) angebracht, da hier u.U. kein Baumschutzzaun eingerichtet werden kann.

 

  • Baggermatratzen

Als Baggermatratzen bezeichnet man druckverteilende Matten, welche im Traufbereich (Kronenprojektionsfläche) auf einer ca. 20 cm starken Kiesschicht ausgelegt werden.

Durch die Druckverteilung wird einer Bodenverdichtung vorgebeugt.

 

  • Präventiver Kronenschnitt

Kronenschnittmaßnahmen im Rahmen der Baustellenvorbereitung können sinnvoll sein, wenn diese im zulässigen Maß und fachgerecht erfolgen. So sollte bei einer geplanten Wurzelreduzierung auch eine adäquate Kronenauslichtung oder Kroneneinkürzung
durchgeführt werden, um die Nährstoffversorgung des Baumes im Gleichgewicht zu halten.

Sollten Bäume durch die Baumaßnahmen bereits in Mitleidenschaft gezogen worden sein, sind fachgerechte Kronenschnittmaßnahmen auch im Nachhinein ratsam, um so die negative Folgen (Faulstellen, Schädlingsbefall oder Fehlentwicklungen des Baumes) zu vermeiden bzw. zu mindern.

 

  • Wurzelvorhang

Abgrabungen im Kronentraufbereich der Bäume sollten zum Schutz der Wurzeln grundsätzlich vermieden werden. Leider ist das auf Baustellen nicht immer möglich. Ein Wurzelvorhang gilt als Schutzmaßnahme zur Vorsorge bei Abgrabungen im Wurzelbereich gemäß DIN18920, RAS-LP 4 und ZTV-Baumpflege.

Die Ausführung sollte möglichst im Frühjahr oder Herbst und eine Vegetationsperiode vor Baubeginn statt finden.

Die Durchführbarkeit einer solchen Maßnahme hängt vom Zustand und der Größe des Baumes ab.

Für einen Wurzelvorhang wird ein mindestens 0,25 Meter breiter Graben angelegt, der einen Mindestabstand zur Außenkante des Stammfußes vom Vierfachen des Stammumfanges (gemessen in einem Meter Höhe) hat, mindestens jedoch 2,50 Meter. Die Ausgrabungen erfolgen per Hand oder durch Absaugtechnik (Baggerarbeiten hierfür verbieten sich, da erhebliche Wurzelabrisse zu erwarten sind). Der Abstand zur künftigen Baugrube sollte 0,30 Meter betragen. Die Tiefe des Grabens muss den durchwurzelten Bereich umfassen und darf maximal bis zur Sohle der Baugrube reichen. An den Baumwurzeln ist ein fachgerechter Schnitt mit einem scharfkantigem Werkzeug bei kleinster Schnittfläche durchzuführen.

Anschließend wird eine verrottbare, standfeste und luftdurchlässige Schalung aus Maschendraht oder Vergleichbares mit einem unverzinkten Drahtgeflecht und innenliegendem Gewebe, z.B. Sackleinwand, Ballentuch aus Jute oder Trennvlies, eingelegt.

Die freigelegten Wurzeln müssen gegen Austrocknen und Frosteinwirkung geschützt werden. Der Wurzelvorhang ist bis zum Baubeginn und während der Bauzeit ständig feucht zu halten. Der Graben wird mit geeignetem Vegetationssubstrat (nährstoffreichem und humosem Material) angedeckt.

Die Sicherung der Andeckung erfolgt durch einen Wurzelzaun hin zur Baugrube oder durch Spanndräthe in Richtung Baum.

Der Wurzelvorhang ist während der gesamten Baumaßnahme und über den Bauabschluss hinaus im Boden zu belassen.

 

  • Wurzelschutzzaun

Abgrabungen in der Nähe eines zuvor angebrachten Wurzelvorhanges können dazu führen, dass das vorgelagerte Erdreich, welches die Wurzeln vor Austrocknung und Frost schützen soll, in die Baugrube rutscht. Der Wurzelschutzzaun ist eine Hilfskonstruktion, die das Abrutschen des Erdreiches in  die Baugrube verhindern soll.

 

  • Senkrechter Verbau

Bei sehr engen räumlichen Verhältnissen kann es zum Schutz des Baumbestandes erforderlich sein, die Baugrube nicht in herkömmlicher Weise abzuböschen, sondern – um Platz zu sparen und Wurzelverletzungen zu reduzieren – einen senkrechter Verbau (z. B. Berliner Verbau) vorzunehmen. Herkömmliche Spundungen mit Eisenträgern sind im Kronentraufbereich der Bäume in der Regel nicht möglich, da die Ramme Baumkrone und Wurzeln zu sehr beschädigen würde.

 

Ihre Anfrage an die BAVARIA Baumwelt